Deadpool – eine Frage des Humors

deadpool review

Wo Marvel draufsteht, kann eigentlich nur Gutes drin sein. Zumindest für Liebhaber selbstironischer Comicverfilmungen. Deadpool liefert dem geneigten Fan die ganze Bandbreite: Ein zynischer Anti-Held, Action non-stop und Dialoge weit unter der pubertären Gürtellinie. Und vor allem einen Film, der sich über das eigene Genre lustig macht.

Hinter all dem stecken Regisseur Tim Miller sowie die Drehbuchautoren Paul Wernick und Rhett Reese. Sie bringen frischen Wind in die aalglatte Superhelden-Riege. Und das, obwohl Deadpool alias Wade Wilson eigentlich kein außergewöhnlicher Charakter ist. Er hat eine gehörige Persönlichkeitsstörungen, leidet unter Gedächtnisproblemen und weiß nicht wirklich, was er tut. Das alles nimmt er – so gut er es eben kann – aber mit Humor.

 

Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist Ex-Soldat einer Spezialeinheit und verbringt seine Tage größtenteils im Bordell. Die Prostituierte Vanessa (Morena Baccarin) hat es ihm besonders angetan. Als er allerdings erfährt, dass er eine unheilbare Krebserkrankung hat, setzt er sich im Labor von Ajax (Ed Skrein) einem riskantes Experiment aus.

Danach ist er zwar geheilt und besitzt plötzlich übermenschliche Kräfte, die extremen Strapazen der Behandlung haben ihn aber komplett entstellt. So kann er seiner Angebeteten natürlich nicht unter die Augen treten. Er schlüpft er in einen schwarz-roten Superheldenanzug samt Maske und will Wiedergutmachung von Ajax. Und natürlich Rache. Dabei bekommt er Unterstützung von Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand), die ebenfalls ihre ganz eigenen Talente haben.

Klingt nicht unbedingt spektakulär und ist es auch eher in Maßen. Zumindest Drehbuchtechnisch. Der Humor von „Deadpool“ schwankt zwischen albern, geistreich und plump. Besonders die Beziehung von Wade und Vanessa sorgt für allerlei sexuelle Aufladung. Wer mit nackter Haut (sowohl männliche als auch weibliche Hintern sind zur Genüge zu sehen) und extremer Doppeldeutigkeit nicht umgehen kann, sollte sein Geld besser in ein anderes Kinoticket investieren. Vorzugsweise in einen Animationsfilm. Der ist auch eher für Familien geeignet, denn mit seinem FSK-16-Siegel fällt „Deadpool“ als Sonntagsprogramm glatt durch.

Und das ist auch gut so. Neben gezielten Angriffen aufs Zwerchfell und ausschweifender Action, neigt die Comicverfilmung durchaus zu Horroranleihen. Hier sei speziell die Szene im Labor von Ajax erwähnt, als diverse Foltermethoden erst ins Lächerliche gezogen werden, bevor die Stimmung gehörig kippt. Einer der wohl nachhaltigsten und auch geschmacklosesten Momente des Films, der ohne Frage genügend Potenzial für eine ausschweifende Diskussion liefert. Vielleicht ist die Verharmlosung von Gewalt einer der Gründe, warum Deadpool im Marvel-Universum nicht wirklich viele Freunde hat.

 

Fazit zu Deadpool

Obwohl die Story recht dünn ist und der Bösewicht etwas harmlos ausfällt, hat Deadpool seine Momente. Wer auf subtilen, unartigen Humor steht, dürfte jede Menge zu lachen haben. Eine nette Abwechslung im gelackten Superhelden-Genre ist der Film allemal. Eigentlich wenig überraschend, dass mit „Deadpool 2“ bereits eine Fortsetzung angekündigt wurde.

 

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